Laut Ruhr Nachrichten-Meldung vom Dienstag griff am Montagabend (02.02.) ein 40-jähriger Mann seine Ex-Partnerin in Lünen-Alstedde an, verletzte sie und bedrohte auch ihren neuen Partner. Bei der Durchsuchung eines Kellerraums im Zuge des anschließenden Polizeieinsatzes sollen neben Betäubungsmitteln auch mehrere Waffen, Munition sowie Handgranaten gefunden worden sein. Außerdem wurde eine Schreckschusswaffe übergeben. Auf den Mann, der einen kleinen Waffenschein besitzen soll, komme nun ein Strafverfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Waffengesetz zu[1].
Aktuellen Angaben der Ruhr Nachrichten zufolge soll es sich bei dem mutmaßlichen Täter um den AfD-Ratsherrn Stefan Poremski handeln[2]. Die mutmaßliche Betroffene des Angriffs kandidierte zur Kommunalwahl 2025 ebenfalls für die AfD. Lena Milani, Sprecherin der Antifa Werne, ordnet die Tat wie folgt ein: „Die konkreten Hintergründe des vorangegangenen Streits mögen noch unbekannt sein. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, passen diese allerdings in ein allzu bekanntes Muster von Männern, die gegenüber ihren ehemaligen Partnerinnen gewalttätig werden. Diese Form der Gewalt speist sich aus aggressiv-dominanten Männlichkeitsbildern und einem damit verbundenen vermeintlichem Anrecht auf ‚Verfügung‘ über Frauen*. Diese Vorstellungen ziehen sich quer durch alle gesellschaftlichen Milieus, harmonieren aber besonders gut mit den oft als ‚traditionell‘ verharmlosten Geschlechterbildern, wie sie u.a. in der extremen Rechten vorherrschend sind“. Dass durchschnittlich jeden dritten Tag eine Frau* von ihrem (Ex-)Partner getötet wird, ist der extremste Ausdruck dieser Verhältnisse.
Die Waffenfunde passen zum Eindruck, den Antifaschist:innen bereits seit Jahren von der Entwicklung innerhalb der AfD haben. Milani dazu: „In der extremen Rechten gab es schon immer einen Hang zum legalen wie illegalen Sammeln von Waffen, die immer wieder auch für Gewalttaten genutzt werden. Diese Tendenzen haben sich mit den Krisenerfahrungen z.B. während der Corona-Pandemie noch verschärft. Je nach Phase und Strömung spielen dabei durchaus unterschiedliche Motivationen eine Rolle wie etwa ein Bestreben, sich gegen einen feindlichen Staat zur Wehr zu setzen oder in Konkurrenz zu oder gar in Kooperation mit einem Staat, der nicht willens oder fähig sei, einem Bedürfnis nach bewaffneter Selbstjustiz zu folgen, für ‚Ordnung‘ zu sorgen und als Vollstrecker:in missliebige Personen zu beseitigen. Dass diese Phänomene vor einer AfD Halt machen würden, die ihre Hemmungen weitgehend fallen gelassen hat, sich auch mit solchen Strömungen der extremen Rechten zu verzahnen, aber auch innerhalb der Partei eine stetige Radikalisierung vollzieht, wäre illusorisch. Die AfD selbst übernimmt dabei zusätzlich die Rolle eines Motors solcher Selbstermächtigungsfantasien, indem sie bei ihren Anhänger:innen permanent Ängste und Unsicherheit schürt“.
Milani bezweifelt entsprechend, dass, sollte sich der Tatverdacht bestätigen, es sich in der Hinsicht um einen Einzelfall im Kreis Unna handelt: „Mit Blick auf die Verbindungen der AfD bzw. ihres Personals in diverse Prozesse rund um rechte Gewalt oder Bestrebungen ihrer Vorbereitung in den letzten Jahren wäre es verwunderlich, wenn niemand sonst in der hiesigen AfD Waffen sammeln würde. Die passende Rhethorik bedienen ihre Mitglieder und Kandidierenden schon lange. Erinnert sei etwa an den Bergkamener Ratskandidaten Winfried Grundmann, dessen Gewalt– und Umsturzfantasien auch Thema in der Berichterstattung des WDR rund um die Kommunalwahl 2025 waren. Über einen Fall eines mutmaßlichen Angriffs berichtete die Lokalpresse 2024 in Lünen: Ein damaliger sachkundiger Bürger der AfD im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung, Martin Degenhardt, soll im Rathaus einen Mitarbeiter des städtischen Sicherheitsdiensts mit Pfefferspray attackiert haben. Zudem hat die AfD im Kreis Unna mehrere Personen wie Denis Fellner (Lünen) in Ratsmandate gehoben, die in den vergangenen Jahren mit Kontakten ins – auch gewaltbereite – Neonazimilieu aufgefallen sind“.
Poremski gilt bis zum Gegenbeweis als unschuldig. Sollten sich die Vorwürfe gegen ihn jedoch bestätigen, muss festgehalten werden, dass die mutmaßlichen Taten in einem begünstigenden Umfeld stattgefunden haben. Auch würde erneut die Notwendigkeit der Entwaffnung von AfD-Mitgliedern unterstrichen. Laut Berichterstattung stellt sich die Lüner AfD-Fraktion jedenfalls hinter das „angesehene“ Fraktionsmitglied. Nicht nur wird die mutmaßliche Gewalttat geleugnet, sondern an anderer Stelle auch der Waffenbesitz relativiert. So behauptete ein Facebook-Account, der höchstwahrscheinlich von Poremskis Fraktionskollege Piotr Peciak betrieben wird, unter dem Artikel der Ruhr Nachrichten, es habe sich der bei der Granate um eine Replik gehandelt, die in Belgien erworben worden sei. Der Kommentar wurde zügig wieder gelöscht. Ob der Autor den Wahrheitsgehalt seiner Behauptung nochmal überdacht hat oder eine Vorladung durch die Ermittlungsbehörden vermeiden möchte, bleibt unklar.


